Was machen Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte eigentlich genau? Wie digital ist ihre Arbeit und welche Auswirkungen hat Künstliche Intelligenz auf den Beruf? Anlässlich des „Tags der Kanzleiheld:innen“ am 11. November 2026 spricht Ronja Tietje vom RENO Bundesverband über einen Beruf, der oft verkannt wird. Sie erklärt, warum ReFas, ReNos und NoFas das organisatorische Rückgrat von Kanzleien bilden, wie früh Auszubildende Verantwortung übernehmen und welche Karrierewege ihnen offenstehen.
- Frau Tietje, am 11. November 2026 ist der „Tag der Kanzleiheld:innen“. Worum geht es bei diesem Aktionstag und was sind die Ziele?
Der Aktionstag rückt diejenigen ins Scheinwerferlicht, die Kanzleien im Hintergrund am laufen halten: ReFas, ReNos, NoFas und das gesamte Kanzleiteam. Ziel ist es, Wertschätzung für diesen unverzichtbaren Beruf zu zeigen, Sichtbarkeit für ein oft unterschätztes Berufsbild zu schaffen und jungen Menschen zu verdeutlichen, wie vielseitig und modern die Kanzleiwelt heute ist.
- Viele junge Menschen können sich unter dem Beruf Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte kaum etwas vorstellen. Was tut man in dem Job und warum ist das wichtig?
Kurz gesagt: Die Fachangestellten sind das organisatorische und administrative Rückgrat einer Kanzlei. Sie sorgen dafür, dass der Kanzleibetrieb reibunglos läuft, rechtliche Fristen gewahrt bleiben und Mandantinnen sowie Mandanten professionell betreut werden. Ohne diese Organisationstalente würde der Kanzleibetrieb nicht effizient ablaufen.
- Wovon sind die Berufseinsteiger häufig überrascht?
Von der Dynamik und der Nähe zum echten Leben! Viele erwarten eine trockene Materie, erleben aber täglich menschliche Schicksale – im positiven wie im negativen Sinne. Außerdem überrascht Einsteiger häufig, wie viel eigenständige Sachbearbeitung im Joballtag steckt – langweilig wird es garantiert nie.
- Wer sich eine Kanzlei vor allem als „staubtrockenen“ Ort voller Akten vorstellt, hat vermutlich ein ziemlich unvollständiges Bild. Wie digital und abwechslungsreich ist der Arbeitsalltag heute?
Staubige Aktenberge gehören weitestgehend der Vergangenheit an. Heute prägen digitale Workflows den Kanzleialltag. Die Arbeit mit spezialisierten Softwarelösungen gehört täglich dazu.
- Welche Verantwortung können junge Menschen bereits während der Ausbildung und in den ersten Berufsjahren übernehmen?
Schon früh übernehmen Auszubildende direkte Verantwortung beim Erstellen erster Anschreiben, gefolgt von der Kommunikation mit Gerichten, Behörden oder Mandanten. Auch die Aktenführung liegt rasch in eigenen Händen. Natürlich immer unter der Begleitung der Ausbildungsverantwortlichen.
- Welche Fähigkeiten sind aus Ihrer Sicht wichtiger als tolle Schulnoten? Und für welchen Typ Mensch ist eine RENO-Ausbildung besonders interessant?
Zuverlässigkeit, Empathie, logisches Denken und Freude an Strukturen schlagen reine Noten um Längen. Der Beruf ist perfekt für Organisationstalente, Kommunikationsstarke und Menschen, die gerne strukturiert arbeiten und Freude daran haben, Sachverhalte zu begleiten.
- Schulabgänger fragen sich: Welche Perspektiven bietet mir die Ausbildung? Welche Weiterbildungen, Spezialisierungen und Karrierewege stehen RENO-Fachkräften offen?
Die Perspektiven sind exzellent. Nach der Ausbildung ist eine gezielte Weiterqualifizierung möglich – gerade sind die neuen Verordnungen zur bundesweit anerkannten Weiterbildung im Anwalts- und Notarbereich im Bundesgesetzblatt veröffentlicht worden. Zudem sind Spezialisierungen in den Bereichen Kanzleimanagement, Digitalisierung und Abrechnungswesen und vieles mehr möglich. Gut qualifizierte Fachkräfte sind auf dem Arbeitsmarkt extrem gefragt.
- Der Beruf der Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten gilt als stark von Automatisierung durch Künstliche Intelligenz (KI) betroffen. Ist der Job zukunftssicher oder könnte er überflüssig werden?
Der Job ist nach meiner Meinung nach absolut zukunftssicher – er verändert sich nur, genauso wie sich auch der Arbeitsbereich der Rechtsanwälte und Notare durch KI verändert! Am Ende kann KI viele Routineaufgaben und Tipparbeiten abnehmen. Das schafft Freiraum für das, was keine KI leisten kann: menschliches Einfühlungsvermögen, strategisches Mitdenken und persönliche Mandantenbetreuung.
- Wenn Sie einem jungen Menschen, der gerade einen Ausbildungsberuf sucht, nur einen Grund nennen dürften, sich die RENO-Ausbildung genauer anzusehen: Welcher wäre das?
Weil man in diesem Beruf vom ersten Tag an lernt, wie unsere Gesellschaft funktioniert – man durchblickt Verträge, Gesetze und lebensverändernde Entscheidungen, wodurch man eine unbezahlbare Orientierungs- und Handlungskompetenz für das gesamte eigene Leben gewinnt.
Über den RENO Bundesverband:
Der RENO Bundesverband (offiziell: RENO Deutsche Vereinigung der Rechtsanwalts- und Notariatsangestellten e.V.) mit Sitz im niedersächsischen Achim ist die bundesweite Interessenvertretung für Angestellte und Auszubildende von Rechtsanwälten, Patentanwälten und Notaren.
Der Verband ist als Arbeitnehmervereinigung im Sinne des Tarifvertragsgesetzes anerkannt und setzt sich auf politischer und gesellschaftlicher Ebene für bessere Arbeits- und Gehaltsbedingungen ein. Darüber hinaus fördert er intensiv die berufliche Bildung. Mitglieder der RENO-Ortsvereine engagieren sich bundesweit ehrenamtlich in den Berufsbildungsausschüssen, Prüfungskommissionen und Schlichtungsstellen der regionalen Rechtsanwalts- und Notarkammern.