Ein falsches Datum im Kalender, ein Zahlendreher in einem Schreiben oder eine Akte, die falsch abgelegt wurde: Auch Auszubildende zur Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten machen Fehler. Das ist Teil des Lernprozesses. Gleichzeitig sind Sorgfalt und Verantwortungsbewusstsein in einer Rechtsanwalts- oder Notarkanzlei besonders wichtig.
Wie passt das zusammen?
Durch eine gute Ausbildung, klare Arbeitsabläufe, Nachfragen und Kontrollmechanismen. Von Auszubildenden wird nicht erwartet, dass sie vom ersten Tag an alles beherrschen. Sie sollen lernen, Verantwortung zu übernehmen. Dazu gehört auch, Fehler zu erkennen, offen anzusprechen und aus ihnen zu lernen.
Vielleicht kennst du diese Sorge: Du kommst direkt aus der Schule und plötzlich begegnen dir Begriffe, Abläufe und Dokumente, die völlig neu sind.
Was passiert, wenn ich als ReNo-Auszubildende einen Fehler mache?
Was ist eine Wiedervorlage? Warum sind bestimmte Fristen so wichtig? Wie wird eine Akte richtig geführt? Welche Unterlagen werden für einen notariellen Vorgang benötigt? Und wie formuliert man eine professionelle E-Mail an einen Mandanten?
Niemand kann all das automatisch. Genau dafür ist die Ausbildung zur Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten da.
Du lernst Schritt für Schritt, wie eine Kanzlei funktioniert. Mit der Zeit werden aus unbekannten Begriffen vertraute Abläufe. Du übernimmst eigene Aufgaben und gewinnst Sicherheit.
Auf diesem Weg können auch Fehler passieren. Entscheidend ist, wie du und die Kanzlei damit umgehen.
Dürfen Auszubildende in einer Kanzlei Fehler machen?
Fehler können während einer Ausbildung passieren. Eine gute Fehlerkultur bedeutet aber nicht: „Ist doch egal.“
In einer Rechtsanwalts- und Notarkanzlei ist Genauigkeit wichtig. Mandantinnen und Mandanten verlassen sich darauf, dass ihre Angelegenheiten sorgfältig bearbeitet werden. Termine, Fristen, Dokumente und vertrauliche Informationen müssen entsprechend behandelt werden.
Sorgfalt entsteht jedoch nicht durch Angst vor Fehlern. Sie entsteht durch Wissen, Erfahrung, klare Prozesse, Nachfragen und Kontrolle.
Wenn ein Fehler passiert, sollte deshalb nicht nur gefragt werden, wer ihn gemacht hat. Wichtiger sind vier Fragen:
Was ist passiert? Warum ist es passiert? Wie lässt es sich korrigieren? Und wie lässt sich ein ähnlicher Fehler künftig vermeiden?
So wird aus einem Fehler eine Erfahrung, die dich während deiner Ausbildung weiterbringt.
Warum wird meine Arbeit während der Ausbildung kontrolliert?
Gerade zu Beginn deiner ReNo-Ausbildung wird deine Arbeit häufiger kontrolliert. Du hast ein Schreiben vorbereitet und jemand liest es noch einmal. Du trägst einen Termin ein und eine erfahrene Kollegin oder ein erfahrener Kollege prüft die Angaben.
Das bedeutet nicht automatisch, dass dir niemand vertraut.
Kontrollmechanismen gehören zu professionellen Arbeitsabläufen in einer Kanzlei und können Auszubildenden zusätzliche Sicherheit geben.
Das Vier-Augen-Prinzip, Checklisten, Freigaben oder eine strukturierte Fristenkontrolle helfen dabei, Fehler frühzeitig zu erkennen.
Für Auszubildende haben diese Mechanismen noch eine zweite Funktion: Verantwortung kann schrittweise übertragen werden.
Zunächst erledigst du neue Aufgaben mit Unterstützung oder unter Anleitung. Mit wachsender Erfahrung arbeitest du zunehmend selbstständig und lernst, mögliche Risiken besser einzuschätzen.
Hier erfährst du mehr über Das Ankommen in der Ausbildung: die ersten Monate zwischen Lernen, Orientierung und Selbstsicherheit
Warum ist Nachfragen in der ReNo-Ausbildung wichtig?
„Das müsste ich doch eigentlich wissen.“
Dieser Gedanke kann problematisch werden. Wer aus Unsicherheit nicht nachfragt, obwohl eine Aufgabe oder Anweisung unklar ist, riskiert vermeidbare Fehler.
Fragen zu stellen ist deshalb kein Zeichen mangelnder Kompetenz. Es gehört zu verantwortungsbewusstem Arbeiten.
Wenn dir eine Anweisung nicht klar ist, frage nach. Wenn du bei einem Dokument unsicher bist, lass es prüfen. Wenn dir auffällt, dass du möglicherweise einen Fehler gemacht hast, sprich ihn möglichst früh an.
Professionell zu arbeiten bedeutet auch, die eigenen Grenzen zu erkennen und bei Unsicherheit Unterstützung einzuholen.
Wieso kommt es in der Ausbildung auf eine gute Fehlerkultur an?
Wer ständig Angst hat, wegen eines Fehlers kritisiert oder blossgestellt zu werden, könnte versuchen, Fehler zu verstecken, Fragen vermeiden oder Entscheidungen lieber anderen überlassen.
Für eine Ausbildung, in der junge Menschen zunehmend selbstständig arbeiten und Verantwortung übernehmen sollen, ist das keine gute Grundlage.
Eine offene Lernkultur bedeutet deshalb, Fehler anzusprechen, ihre Ursachen zu verstehen und gemeinsam daraus zu lernen.
Das bedeutet nicht, dass Sorgfalt unwichtig wäre. Wenn derselbe vermeidbare Fehler immer wieder passiert, muss geklärt werden, woran das liegt und wie er künftig verhindert werden kann.
Gute Ausbilderinnen und Ausbilder erklären, was falsch gelaufen ist und warum es wichtig ist. Sie zeigen, wie es besser geht, und geben dir die Möglichkeit, das Gelernte beim nächsten Mal anzuwenden.
Wie viel Verantwortung übernimmt man als ReNo-Azubi?
Verantwortung wächst während der Ausbildung Schritt für Schritt.
Wenn du gerade die Schule abgeschlossen hast, solltest du eines wissen: Eine Ausbildung zur Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten ist keine Prüfung, bei der du bereits am ersten Tag beweisen musst, dass du alles kannst.
Du beginnst die Ausbildung, um den Beruf zu lernen.
Interesse, Zuverlässigkeit und Sorgfalt gehören dazu. Du solltest bereit sein, dich mit rechtlichen Themen zu beschäftigen, mit Menschen zu kommunizieren und Verantwortung zu übernehmen.
Das notwendige Fachwissen und die beruflichen Abläufe lernst du während deiner Ausbildung.
Dazu gehören beispielsweise die Bearbeitung von Schriftstücken und Akten, die Organisation von Terminen und Fristen, die Kommunikation mit Mandantinnen und Mandanten sowie die organisatorische Begleitung rechtlicher Vorgänge.
Mit wachsender Erfahrung übernimmst du mehr Verantwortung und verstehst immer besser, warum in einer Kanzlei auch kleine Details wichtig sein können.
Woran erkenne ich eine Kanzlei, die auf gute Ausbildung Wert legt?
Wenn du dich für eine Ausbildungsstelle in einer Rechtsanwalts- oder Notarkanzlei interessierst, solltest du nicht nur darauf achten, was du dort lernen kannst. Interessant ist auch, wie die Kanzlei ausbildet.
Du kannst im Vorstellungsgespräch zum Beispiel fragen:
- Wie läuft die Einarbeitung ab?
- Wer ist meine Ansprechpartnerin oder mein Ansprechpartner?
- Wie werden neue Aufgaben erklärt?
- Wie erhalten Auszubildende Feedback?
- Welche Aufgaben übernehmen Auszubildende am Anfang?
- Wie wird die Arbeit kontrolliert?
- Wie geht die Kanzlei mit Fehlern von Auszubildenden um?
Solche Fragen zeigen nicht, dass du Angst vor Verantwortung hast. Im Gegenteil: Du beschäftigst dich damit, unter welchen Bedingungen du den Beruf gut lernen kannst.
Denn eine gute Ausbildung braucht beides: Menschen, die lernen wollen, und ein Umfeld, das Lernen ermöglicht.
Muss ich vor der ReNo-Ausbildung schon viel über Recht wissen?
Nein. Du beginnst eine Ausbildung, um die notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten für deinen Beruf zu erwerben.
Wenn du gern organisierst, sorgfältig arbeitest und gleichzeitig mit Menschen zu tun haben möchtest, kann die Ausbildung zur Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten ein interessanter Berufseinstieg sein.
Du musst nicht vom ersten Tag an alles über Recht wissen. Und du musst nicht vom ersten Tag an fehlerfrei arbeiten.
Was zählt, ist die Bereitschaft, Neues zu lernen, Fragen zu stellen, sorgfältig zu arbeiten, Verantwortung zu übernehmen und aus Fehlern zu lernen.
Professionalität bedeutet nicht, niemals einen Fehler zu machen. Sie bedeutet, sorgfältig zu arbeiten, Fehler offen anzusprechen und daraus zu lernen.
Häufige Fragen zu Fehlern während der ReNo-Ausbildung
Ist es schlimm, während der Ausbildung in einer Kanzlei Fehler zu machen?
Fehler können gerade beim Erlernen neuer Aufgaben passieren. Wichtig ist, Fehler nicht zu verschweigen, sondern sie möglichst früh anzusprechen, damit sie geprüft und gegebenenfalls korrigiert werden können.
Warum werden Aufgaben von Auszubildenden kontrolliert?
Kontrollen dienen der Qualität und Sicherheit und sind gleichzeitig Teil der Ausbildung. Durch Rückmeldungen lernen Auszubildende, Aufgaben zunehmend selbstständig und sicher zu erledigen.
Was sollte ich tun, wenn ich bei einer Aufgabe unsicher bin?
Frage nach, bevor du einfach weitermachst. Gerade bei Fristen, Dokumenten oder Abläufen, die du noch nicht kennst, ist eine Rückfrage sinnvoll.
Was sollte ich tun, wenn ich einen Fehler bemerke?
Sprich ihn möglichst früh bei deiner Ansprechpartnerin, deinem Ansprechpartner oder einer zuständigen Person in der Kanzlei an. Je früher ein Fehler bekannt ist, desto eher kann geprüft werden, was zu tun ist.
Woran erkenne ich eine gute Ausbildungskanzlei?
Achte darauf, wie die Einarbeitung organisiert ist, ob du feste Ansprechpartner hast, wie Aufgaben erklärt und kontrolliert werden und ob du regelmäßig Feedback erhältst. Auch der Umgang mit Fragen und Fehlern sagt viel über die Ausbildungsqualität einer Kanzlei aus.